Kriegsgräberstätte Langemark

Am 10. Juli 1932 wurde die deutsche Kriegsgräberstätte Langemark in Belgien eingeweiht. Auf der Kriegsgräberstätte ruhen 1 581 unbekannte Kriegstote in Einzelgräbern. Insgesamt ruhen dort über 44 300 deutsche Kriegstote, hiervon nahezu 25 000 im dortigen Kameradengrab.

Am 11. Oktober 2019 werden die Toten von Wijtschate gemeinsam mit weiteren deutschen Kriegstoten, die in Wevelgem, Zonnebeke und anderen belgischen Orten gefunden wurden, bei der offiziellen Gedenkveranstaltung durch den Volksbund auf der berühmten Kriegsgräberstätte Langemark bestattet.


Adresse:

Klerkenstraat 64
8920 Langemark
Belgien

GPS Koordinaten: 50°55'13.38"N; 2°55'2.04"E

Entstehung

Der deutsche Soldatenfriedhof Langemark entstand aus einer kleinen Gräbergruppe des Jahres 1915 (Langemark-Nord). Bis Kriegsende erfolgten Zubettungen durch die Gräberverwaltung der Etappeninspektion in Gent. Zum Ende des Ersten Weltkrieges gab es 15 größere deutsche Soldatenfriedhöfe im Ortsbereich Langemark. 1919/20 bettete der belgische Gräberdienst - unter Auflösung vorhandener Anlagen - deutsche Gefallene in Langemark zusammen. Der deutsche Gräberdienst führte in den 20er Jahren erste Herrichtungsmaßnahmen durch.

1930 übernahm der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge die Gestaltung und erstellte u. a. ein Register deutscher Soldatenfriedhöfe in Flandern; Langemark lief unter den Bezeichnungen Langemark-Nord, Studentenfriedhof und Deutscher Soldatenfriedhof Nr. 123.

Die Deutsche Studentenschaft übernahm die Patenschaft und war Träger der sogenannten Langemark-Feiern 1933 - 1945. Zusammen mit den Traditionsverbänden vieler Regimenter unterstützte die Studentenschaft finanziell wie materiell die Arbeit des Volksbundes.

Bau/Gestaltung

Der Friedhof erhielt ein mächtiges Eingangsgebäude im Stile jener Zeit. Wie ein mächtiger Felsblock lagert der Torbau aus rotem Wesersandstein hart am Rande der Straße; trotzig und stark in der archaischen Schlichtheit seiner Oberfläche, in der Strenge und Gehaltenheit seines Umrisses, abweisend und Abstand gebietend, so hieß es damals.

Nur eine schmale Pforte, gebildet durch ein Gitter eng geführter Eisenstäbe, gibt Einlass. Durch einen eichenholz-getäfelten Weiheraum betritt der Besucher über einen Ehrenhof das eigentliche Gräberfeld, dem das große Gemeinschaftsgrab vorgelagert ist.

10 143 Gefallene - davon 6 313 namentlich bekannt - waren damals auf dem unteren Teil des Friedhofes bestattet. Die Namen dieser Toten sind auf den Eichenholztafeln im Weiheraum verzeichnet. Mit der Zusammenlegung aller deutschen Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Flandern (1956-1958) auf die drei großen Friedhöfe Langemark, Menen und Vladslo erfolgten weitere Zubettungen.

24 917 untrennbare Kriegstote wurden in einem neu angelegten Gemeinschaftsgrab in Langemark beigesetzt. 10 000 bis dahin in Einzelgräbern ruhende Gefallene in den Ortschaften Staden, Westroosebeeke, Pasdsendale, Poelkapelle, Moorslede, Zonnebeke und Zillebeke wurden ausgebettet und erhielten auf dem sogenannten Mohnfeld in Langemark (erhöhter Teil des Friedhofes) eine endgültige Ruhestätte. 

Das Gemeinschaftsgrab ist belegungsmäßig das größte auf deutschen Soldatenfriedhöfen. Es erhielt eine besondere Gestaltung durch das Aufstellen von vier Plastiken (Trauernde Soldaten), die der Münchner Bildhauer Prof. Emil Krieger 1956 geschaffen hat. Vorbild für diese Figurengruppe mag das Foto der Soldaten des Rheinischen Reserve-Infanterieregimentes 258 gewesen sein, das am Grab eines Kameraden auf dem Friedhof in Bouillonville 1918 gemacht wurde. Dieses Motiv kameradschaftlicher Trauer inspirierte einige Künstler. So finden wir trauernde Soldaten als Mosaik auf den deutschen Soldatenfriedhöfen u. a. in Quero, auf dem Pordoi und in Lommel. Im Gräberfeld in Langemark wird die alte Frontlinie markiert durch drei Bunker aus der Kampfzeit und durch Granitblöcke (die Rohlinge stammen aus der Umgebung) mit aufgebrachten Emblemen und Hinweisen zu den Traditionsverbänden, die die Arbeit des Volksbundes bei der Gestaltung des Friedhofes wesentlich unterstützten.

1971 wurden die bislang nur durch kleine Namensteine bzw. Eichenblöcke mit Kupferplaketten gekennzeichneten Gräber durch Grabzeichen in Form liegender Natursteinplatten ersetzt.

Von den 24 917 Gefallenen, die im Gemeinschaftsgrab bestattet sind, waren bis Anfang der 70er Jahre lediglich 10 010 namentlich bekannt und in den Belegungsbüchern des Friedhofes verzeichnet. Nach mühsamer Auswertung von ergänzenden Unterlagen des Bayerischen Staatsarchives konnten bis 1981 die Namen von über 7 000 weiteren hier Ruhenden in Erfahrung gebracht werden. Somit sind heute 17 342 der im Gemeinschaftsgrab liegenden Gefallenen namentlich bekannt, 7 575 blieben allerdings unbekannt. Vor dem Gemeinschaftsgrab liegt auf einer Steinplatte ein Kranz aus bronzenen Eichenblättern; in ihm finden wir die biblischen Worte

Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen,
Du bist mein

Jes. 43,1

1984 erfuhr der Soldatenfriedhof eine neue Gestaltung. Um das Gemeinschaftsgrab herum wurden Bronzetafeln mit den Namen der 17 342 bekannt gewordenen Gefallenen stelenförmig aufgestellt; die auf dem Gemeinschaftsgrab einst im Halbkreis stehenden Skulpturen Trauernde Soldaten wurden an den hinteren Friedhofsrand versetzt. Der Besucher betritt nun durch das monumentale Eingangsgebäude den Friedhof. Über das im Anschluss an den offenen Ehrenfriedhof liegende Gemeinschaftsgrab schweift der Blick über das mit Eichen bestandene Gräberfeld mit Symbolkreuzgruppen und trifft schließlich auf die nun gegen den Horizont nebeneinander stehenden, dem Gräberfeld zugewandten trauernden Soldaten. Sie sollen Bindeglied zwischen den davor ruhenden Soldaten und dem Besucher sein, den sie förmlich anziehen. Die Figuren schaffen somit auch die Verbindung zwischen den Toten und den Lebenden.

Seit 1990 ist der Soldatenfriedhof Langemark, zusammen mit den Friedhöfen Menen, Vladslo und Hooglede, dem Landesverband NRW im Volksbund als Betreuungsfriedhof übergeben worden. 1998 wurden noch Gebeine von acht deutschen Gefallenen, die zusammen mit Gebeinen britischer Gefallener bei Straßenbauarbeiten gefunden worden waren, in Langemark beigesetzt.

Im Jahr 2015 wurde die Kriegsgräberstätte Langemark grundhaft instand gesetzt. Hierbei beteiligte sich dankenswerterweise die Flämische Regierung mit 50% der Baukosten. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, da jährlich etwa 250 000 Gäste auf der Anlage zu verzeichnen sind.

Neben der Wiederherstellung eines Innenhofes im Eingangsbereich und der Sanierung des Eingangsgebäudes erfolgte die Neuverlegung der Grabsteine sowie eine Sanierung der Wegeflächen und auch die Instandsetzung von Vegetationsflächen. Am zentralen Gemeinschaftsgrab wurde ein Platzfläche errichtet, auf der sich die vielen Besuchergruppen aufhalten können.

Die Figurengruppe Trauernde Soldaten von Prof. Emil Krieger steht nun wieder an ihrem ursprünglichen Ort, dem Gemeinschaftsgrab, denn die Intention des Künstlers war es, den hier ruhenden Soldaten zu gedenken.

Weitere Informationen zur Kriegsgräberstätte Langemark finden Sie hier.