Reportage Pomezia

Blumen für Pomezia
50 Jahre Kriegsgräberstätte in Italien

Der Weg zum Ehrenmal auf der Kriegsgräberstätte Pomezia.

Über die zweispurige Via Pontina erreicht man völlig überraschend nach kurzer Ausfahrt die Kriegsgräberstätte Pomezia. Fast ist man geneigt, an der Abfahrt vorbei zu fahren, weil man an der stark befahrenen italienischen Autobahn nicht mit einem solchen Ort der Ruhe rechnet. Auf der Kriegsgräberstätte angekommen, sind der Lärm und die Hektik der Autobahn auch schon nach wenigen Schritten vergessen. Der Blick auf einen benachbarten Olivenhain und die Zypressen und Pinien des Friedhofes vermitteln den Eindruck, man befinde sich auf einem dieser typischen italienischen Anwesen in der Region Latium. Man nimmt das Vogelgezwitscher bewusst war. Ein gepflegter Kiesweg neben dem Verwaltungsgebäude führt bergauf zum Friedhof. Schaut man durch das schmale Eingangstor hindurch, eröffnet sich dem Betrachter die Gesamtheit der Anlage. Ein würdiger Platz für eineStätte der Erinnerung. „Nach 66 Jahren konnten wir endlich von unserem lieben Vater und Bruder Abschied nehmen”. Dies sind die ersten geschriebenen Worte, die man nach der Ankunft im Besucherbuch der Kriegsgräberstätte Pomezia liest. Sie berühren genauso wie die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt.

Für immer verbunden

Sigrid Schreiber am Grabkreuz.

1960 wurde die Kriegsgräberstätte Pomezia eingeweiht. Etwa 2 000 Besucher nahmen damals an der Einweihungsfeier teil, darunter zahlreiche Einwohner der Umgebung und viele Angehörige der dort ruhenden Gefallenen. 50 Jahre danach sind etwa 300 Menschen gekommen, um an der Gedenkfeier teilzunehmen. Einige sind aus Deutschland mit dem PKW angereist und verbinden die Fahrt nach Pomezia mit einem Urlaub in Rom oder am nahe gelegenen Mittelmeer. Andere sind mit Reisegruppen des Volksbundes gekommen, so auch Sigrid Schreiber aus Thüringen. Schon zwanzigmal hat sie das Grab Ihres Vaters besucht. Für sie ist er an diesem Ort der Trauer allgegenwärtig. Sie redet mit ihm, erzählt ihm von zuhause, von der Familie und dass er Ururopa geworden ist. Sie erzählt von dem Sohn und den Enkeln, die das Grab auch schon besucht haben. Dabei streicht sie zärtlich über den Grabstein des Vaters. Sogar ein Gedicht hat sie eigens für ihn geschrieben, das sie ihm nun vorträgt: „ ...und fragt mich jemand was willst du da unten auf diesen Friedhöfen - gönn dir woanders schöne Stunden. Es ist das kleine weiße Kreuz in fremder Erde - von dem ich nicht mehr loskommen werde.”

Blumen für die Unbekannten

Die Angehörigen stehen alleine oder in Gruppen an den Gräbern. Sie beten, reden miteinander oder halten einfach nur inne. Ein Ehepaar aus dem Elsass läuft rastlos in den Reihen umher und sucht nach einem Grab. Der Bruder der Frau ruht als Unbekannter auf diesem Friedhof. Seine Kameraden, die bei der Umbettung identifiziert wurden, sollen in diesem Block begraben liegen. Eigens wegen dieser Gedenkveranstaltung haben die Eheleute die Reise auf sich genommen, um vielleicht doch Gewissheit über den Verbleib des Bruders zu erlangen. Verzweifelt schauen sie auf die Grabsteine und suchen nach Todesdaten der Kameraden, die mit dem Bruder gefallen sind, und deren Gräber neben dem eines unbekannten deutschen Soldaten liegen. Sie hoffen auf ein Wunder. Vielleicht ist ja einer der Unbekannten in dieser Reihe der geliebte Bruder?

Auf fast allen deutschen Kriegsgräberstätten gibt es Gräber mit unbekannten deutschen Soldaten. Sie konnten nie identifiziert werden. Etwa 3 700 dieser Gräber gibt es auf der Kriegsgräberstätte Pomezia. Anlässlich der Gedenkfeier wurden mit Hilfe der Bundeswehr 800 Blumensträuße an die Gräber von unbekannten deutschen Soldaten gestellt - Blumen gegen das Vergessen. Auch die Besucher und Angehörigen haben an diesem Tag die Möglichkeit mit Blumensträußen persönlich das Grab von einem oder mehreren Unbekannter zu schmücken. 

Bewegende Worte

Langsam sammeln sich die Besucher am Ehrenmal, wo die zentrale Gedenkfeier stattfindet. Eine Kapelle aus dem benachbarten Ardea spielt zum Auftakt der Veranstaltung. Zu den Gästen zählt neben dem Verteidigungsattaché der Deutschen Botschaft in Rom, Kapitän zur See John Schamong, und Würdentr.gern aus der Region Latium auch der ehemalige saarländische Landtagsvizepräsident und jetzige Vorsitzende des Volksbund-Landesverbandes Saar, Kurt Schoenen. Seine Rede mit sehr persönlichen und ergreifenden Worten aus der Sicht eines betroffenen Angehörigen berührt die Herzen vieler Zuhörer. Denn auch sein Vater hat auf der Kriegsgräberstätte Pomezia ein würdiges Grab erhalten ...

Uwe Enders